Es hat mir so Spass gemacht, dass alles mal zu sehen und mitzuarbeiten, denn Bauern erhalten viel zu wenig Wertschätzung von genau uns Städtern, die dreimal im Jahr in die Ferien gehen und sich über Regenwetter beklagen.
Elina (17), war 1 Woche bei Familie Iseli

Ich glaube, es war ein Dienstag, als in der Post die Informationen zu der Bauernfamilie von Agriviva gekommen sind. Ich war sehr aufgeregt, den Brief aufzumachen, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen wird. Als ich ihn öffnete, sah ich, dass es ein Super‐Bauernhof werden wird. Ich hatte das so im Gefühl. Mein Ziel war es vor allem, für zwei Wochen aus dem doch recht langweiligen Home-Office zu entkommen und etwas Neues erleben zu dürfen und neue Leute kennenzulernen.
Meine Erwartungen waren nicht sehr hoch, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, weil ich es auf mich zukommen lassen wollte und nicht schon vorher Vorurteile bilden wollte. Ich hoffte einfach, dass sie nett sind. Es hiess dann, man sollte so schnell wie möglich mit der Familie Kontakt aufnehmen. Da ich überhaupt nicht gerne fremden Leute anrufe, war ich sehr nervös, aber es war komplett sinnlos, denn die Frau am anderen Ende war sehr freundlich. Sie hat mir erklärt, was sie so auf dem Hof machen und was ich mitnehmen soll. Dann war das Gespräch auch schon beendet.
Am Dienstag, 2.6. bin ich mit meiner Mutter nach Münchrigen zu Iselis gefahren. Dies sind Fritz und Bettina Iseli und die zwei Kindern Janis und Vera. Janis ist in meinem Alter und Vera etwas älter. Simon ist der Lehrling der Bauernfamilie und ist auch in meinem Alter. Sie haben eine Milchwirtschaft mit 21 Kühen und 17 dürfen zurzeit gemolken werden. Ausserdem haben sie sieben Kälbchen, zwei lustige Ziegen und fünf Katzen. Sie haben auch sehr viel Ackerland, wo sie Zuckerrüben, Raps, Konservenerbsen und vor allem Kartoffeln für die berühmten „Zweifel‐ Chips“ anbauen.
Das hat mich sehr fasziniert, weil ich die Chips auch sehr gerne esse, aber mir noch nie überlegt habe, von wo die Kartoffeln wohl kommen. Sie haben ein grosses Haus, wo ich mein eigenes Zimmer hatte. Der Hof war sehr übersichtlich und ich wusste sehr schnell, wo ich die Sachen finden konnte. Die Gegend dort war sehr schön und ich habe mich direkt wohlgefühlt. Meine Bezugsperson war vor allem Bettina, aber ich habe mich sehr schnell super mit Simon verstanden. Mit ihm war ich am meisten unterwegs. Ich habe mich auch mit der Tochter sehr gut verstanden und mit Janis auch. Fritz war auch ein sehr lustiger. Mit der Bauernfamilie hätte ich es echt nicht besser treffen können.
Ich habe sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Ich habe gesehen, dass das Leben auf dem Bauernhof nicht immer so ist, wie ich mir das vor dem Einsatz vorgestellt hatte. Es wird viel gearbeitet. Man ist jeden Tag im Stall am morgen früh, und am Abend. Man muss nicht nur zu den Tieren schauen, sondern auch zu den Feldern und Wäldern. Es hat mir so Spass gemacht, dass alles mal zu sehen und mitzuarbeiten, denn Bauern erhalten viel zu wenig Wertschätzung von genau uns Städtern, die dreimal im Jahr in die Ferien gehen und sich über Regenwetter beklagen.
Doch für die Bauern ist es gut, wenn es nach langer Hitze mal regnet. Sie arbeiten, dass wir unser Gemüse essen können und unser Joghurt. In dieser Zeit habe ich Unmengen von Sachen gelernt, die ich nicht im Geringsten wusste. Ich habe viel über Kühe, über Gräser und Kräuter, über Holz und Heu gelernt. Ich habe noch so viel mehr gelernt, aber das würde in diesem Bericht den Rahmen sprengen. Was mich sehr überrascht hat, war, dass Bauern so viel wissen müssen. Über Wachsstadien von Pflanzen, wie man welches Feld womit düngen muss und noch vieles mehr.
Das hätte ich nie gedacht. Bauer sein ist nicht gleich Bauer, es gibt so viel Wissen, das dahintersteckt. Ich habe oft gestaunt, was diese Familie alles weiss. Was mir am meisten Spass gemacht hat, war, dass Traktor fahren mit Simon. Ich durfte auch selbst mal durch die Felder düsen. Einfach das Zusammenleben mit der Familie war sehr schön. Ich habe wahrscheinlich noch nie so viel gelacht wie in dieser Zeit. Ich durfte so viele grossartige Menschen kennenlernen. Es war so toll, sich mal schmutzig machen zu dürfen, einfach mal mit den blossen Händen in der Erde im Garten herumstochern.
Sich mit einem Kalb anfreunden und über seinen Schatten zu springen und seine Ängste zu überwinden, die man am Anfang vielleicht hatte. Zum Beispiel hatte ich am ersten Tag Respekt, hinter die Kühe zu stehen, doch mit den Tagen war das nur noch Routine. Es war kein Problem mehr für mich. Ich durfte im Stall mitarbeiten. Ich durfte einmal einen Versuch an der Melkmaschine starten, aber das ging leider ein bisschen in die Hose. Die Kuh war aber sehr geduldig mit mir. Ich durfte mit in den Wald gehen, um Holz zu laden. Ich habe im Haushalt mitgearbeitet.
Ich war sehr gerne an der frischen Luft bei den Tieren und habe dort geholfen, wo es mich gebraucht hat. Leider war es nicht das beste sonnige Wetter, aber das hat mir nichts ausgemacht. Es lief jeden Tag etwas Neues. Woran ich mich zuerst etwas gewöhnen musste, war das «frühe» Aufstehen. Ich musste zum Glück nicht um halb fünf aufstehen, aber doch gab es immer um sieben Uhr Frühstück. Ich habe mich aber schnell dran gewöhnt und dann war es kein Problem mehr, im Gegenteil am Morgen war alles noch schön ruhig draussen.
Meine Ziele wurden mit diesem Einsatz definitiv erfüllt. Ich habe nicht eine Minute lang einen Gedanken an die Schule verschwendet. Ich habe die Zeit genossen, bevor es wieder an den Laptop ging. Meine Erwartungen an die Familie wurden übertroffen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit bei den Iselis, die ich nie mehr vergessen werde. Meine Zeit im Einsatz war aufregend und es wurde nie langweilig. Ich werde die Familie auf jeden Fall sehr vermissen aber sie bestimmt mal besuchen gehen. Zum Schluss kann ich mich nur für diese schöne Zeit bedanken, dass ich so viel lernen und neue Erfahrungen machen dufte. Ich habe dort eine zweite Familie gefunden.